HERSBRUCK
(gz) - Ob Spargel, Saibling oder Schäufela: Ab Samstag liegt
in 18 Restaurants des Landkreises die "Heimat auf‘m
Teller". Sprich: Auf der Speisekarte finden sich stets heimische
Angebote von 16 Bauern des Nürnberger Landes. Die Idee entstand
am Biertisch.
Da saßen nämlich vor drei Jahren der Agrar-Ingenieur
Rainer Wölfel (Bund Naturschutz/ Wengleinpark) und der Gastronom
Hans-Peter Eberhard (Grüner Baum, Kühnhofen) zusammen. Man
sollte doch die guten Regionalgedanken wie Hackschnitzelheizung
oder Agrar-Direktvermarktung auf die Wirte ausdehnen.
Den ersten Testlauf machte Eberhard in seinem
eigenen Restaurant. Zum Tag der Regionen im Herbst waren
es schon sieben Hersbrucker Wirte. Und die Gäste gaben ihnen
Auftrieb: 40 Prozent des Umsatzes wurden mit der neuen regionalen
Speisekarte erzielt.
Künftig hat das Angebot einen festen Standard:
Die ,Heimat auf‘m Teller" steht auf einer eigenen Speisekarte.
Die Gerichte bestehen ausschließlich aus regionalen Zutaten.
Der Gast kann nachlesen, welcher Landwirt was geliefert hat.
Denn die Bauern sind als Vereinsmitglieder mit im Boot und
können sich laufend auf einer internen Internet-Seite informieren,
was die Köche benötigen. Umgekehrt bieten die Landwirte ihre
saisonalen Produkte im Internet an.
Kontakt zu Bauern
Wenn dem Gast ein Schinken oder ein Gemüse besonders
gut mundet, kann er gleich rausfinden, ob er vielleicht bei dem
betreffenden Bauern mal direkt einkauft. Vor allem, so Hans-Peter
Eberhard bei einer überregionalen Pressekonferenz, kommt man mit
dem Gast ins Gespräch über die Region und ihre Schätze. Und wer
erst mal verstanden hat, wie oft ein Feldsalat vom Acker gewaschen
werden muss, der bezahlt auch gern den etwas höheren Aufwand.
"Da fragt einer, ob er krank sein muss,
damit er ein Krankenstück essen darf", erzählt Eberhard.
Das Reden übers Essen und seine Herstellung schafft Verständnis
für die Region — und zufriedene Gäste. Deshalb sei die Marketing-Idee
des Landkreises, die leckerste Art, unsere Landschaft zu
erhalten", wie Kirsten Szibbat von der Tourist-Information
Frankenalb sagt. Und der Landrat fordert die Bauern und Wirte
des Nürnberger Landes auf, sich dem Verein anzuschließen.
Denn bisher liegt der Schwerpunkt eindeutig im Hersbrucker
Raum (wo die Idee herstammt) und im Schnaittach-Tal. Auch
im oberen Pegnitztal fehlen noch viele Restaurants. Dabei
dürften gemeinsames Logo, einheitliche Qualitätskontrollen
und wechselseitige Werbung allen beteiligten Gaststätten
und Bauernhöfen Vorteile bringen. Auch in den Prospekten
der Frankenalb wird die Heimat auf dem Teller vorgestellt.
Gut ins Konzept passt die erste deutsche Stadt
mit einem Slow Food-Angebot: Slow City Hersbruck. Die aus
Italien stammende Idee, dem "Fast Food" wie Hamburger
und Mikrowelle bewusst ein Angebot langsam, weil natürlich
erstellter Speisen gegenüber zu stellen, bringt der Stadt
internationales Medienecho und breiten Image-Gewinn. Logisch,
dass zum kleinen Kochbuch Hersbrucker Slow-Food-Wirte auch
Bürgermeister Wolfgang Plattmeier ein Rezept beisteuerte
— wenn auch nur gefüllte Pfannkuchen.
Mit der Heimat auf‘m Teller strahlt die Hersbrucker
Idee auf den ganzen Landkreis aus — wovor die Initiatoren
sich anfangs scheuten. Voll des Lobes über die regionale
Vermarktungsidee sind inzwischen auch Landwirtschaftsamtschef
Werner Wolf und Bauernsprecher Helmut Schmidt. Denn, wie
es Initiator Rainer Wölfel zusammenfasste: "Richtige
Bündnisse entstehen am Biertisch."
9.5.2003 0:00 MEZ
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